Auf Pilzsuche im Mai

22.05.2017  | GES  | LAGuS - Gesundheit

Kundige Pilzsammler müssen sich beeilen, um die letzten Exemplare des wohlschmeckenden Maipilzes, auch Mairitterling genannt, von den Wiesen sowie den Wegen in Wäldern und Parkanlagen zu holen. Der Maipilz kann etwa 15 Zentimeter groß werden, ist recht dickfleischig, hat einen glatten Hut und zeichnet sich durch weißliche, blass-beige Farben des gesamten Pilzes aus. Auf der Unterseite des Hutes befinden sich eng stehende Lamellen. Ein besonderes Merkmal dieses Pilzes ist der intensive Geruch nach frischer Gurke oder frisch gemahlenem Mehl. Dieser, nicht für jeden, angenehme Geruch vergeht beim Braten.

Doch Dr. Oliver Duty, Landespilzsachverständiger am Landesamt für Gesundheit und Soziales, mahnt zur Vorsicht: „Der Mairitterling kann mit dem giftigen Ziegelroten Risspilz verwechselt werden, der auch im Mai schon wachsen kann.“ Der Ziegelrote Risspilz sieht jung ähnlich aus, ist aber insgesamt nicht so fest und dickfleischig und der Hut ist durch zahlreiche, vom Zentrum aus zum Hutrand verlaufende Fasern gekennzeichnet. Mit zunehmendem Alter des Pilzes kommt es zum Einreißen der Huthaut am Rand und einer rötlichen Verfärbung von Hut und Lamellen. Der Geruch ist eher säuerlich-fruchtig.

Um sicherzugehen, dass man auch die richtigen Pilze zum Verzehr gesammelt hat, sollte man einen Pilzberater zu Rate ziehen. Wie wichtig deren Tätigkeit ist, zeigen die Zahlen aus dem Jahr 2016. Die Pilzberater haben ca. 2.100 Beratungen durchgeführt und 197 stark giftige Pilze aussortiert, darunter: 

  • 28 Grüne Knollenblätterpilze
  • 28 Pantherpilze
  • 4 Ziegelrote Risspilze
  • 10 Frühjahrslorcheln
  • 127 Gifthäublinge 

Trotz der Tätigkeit der Pilzberater kann es immer zu Vergiftungen durch Pilze kommen. 2016 gab es fünf Vergiftungen mit Karbolegerlingen, die bei den acht Betroffenen meist recht harmlos verliefen. 

Auch eine Vergiftung mit dem Pantherpilz ging für ein älteres Ehepaar aus MV noch recht glimpflich aus. Hier reichte es, eine Nacht unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhaus zu verbringen. 

Leider gab es auch eine tödliche Intoxikation durch kleine Schirmpilze. Der Arztbesuch erfolgte zu spät für eine Therapie. Diese Pilze enthalten den gleichen Giftstoff wie der Grüne Knollenblätterpilz. 

Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, das über eine gesetzliche Regelung verfügt, die Pilzberatung als Landesaufgabe im Rahmen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes definiert. Dr. Oliver Duty, Landespilzsachverständiger am Landesamt für Gesundheit und Soziales, koordiniert die Tätigkeit der ehrenamtlichen Pilzberater in den Landkreisen und kreisfreien Städten und kümmert sich um Fortbildungen etc. 

2016 waren im Land insgesamt 42 Pilzberater, davon vier leitende Berater, mit Vereinbarungen der örtlichen Gesundheits- bzw. Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter tätig. Neben den konkreten Pilzberatungen gab es 50 Ausstellungen mit 13.000 Besuchern, mehr als 70 Vorträge mit etwa 1.300 Zuhörern und etwa 150 Pilzlehrwanderungen mit ca. 2.300 Teilnehmern. 

Insgesamt war 2016 nach den Worten der dienstältesten Berater das schlechteste Pilzjahr seit etwa 50 Jahren. Geschuldet einem extrem trockenen Sommer, kam es erst nach ergiebigeren Niederschlägen im Oktober zu einem intensiveren Pilzwachstum, welches bereits im November durch den ersten Bodenfrost in einigen Landesteilen beendet wurde. Zur Freude der Pilzsammler gab es dennoch regional teilweise sehr viele Steinpilze und Maronen. Andere sonst häufige Pilzgruppen wie Täublinge und Milchlinge fehlten ganz oder kamen nur als Einzelexemplare vor. Insgesamt war das Aufkommen an Speisepilzen jedoch extrem gering. 

Wer es nicht mehr schafft, Maipilze zu sammeln, sollte sich auf Pfifferlinge und Steinpilze freuen, die – hoffentlich in größeren Mengen – ab Juni zu finden sind.

Pilzberater in Mecklenburg-Vorpommern