Feuerwerk zum Jahreswechsel

27.12.2019  | LAGuS  | LAGuS

Viele Menschen nehmen den Start des neuen Jahres zum Anlass, sich die Umsetzung guter Vorsätze vorzunehmen. Dem Partner besser zuzuhören, in der Schule besser aufzupassen oder öfter als bisher zum Instrument zu greifen, welches man früher so gerne gespielt hat, könnten solche Wünsche für das kommende Jahr sein. Diese positive Energie, mit der man die Zukunft gestalten will, kann jedoch schnell verpuffen, wenn einen die ersten Minuten dieser Zukunft ins Krankenhaus bringen und die Umsetzung der Vorsätze böse durchkreuzen.

Silvester-Feuerwerk soll Spaß machen, kann aber gefährlich sein. „Wer nicht vorsichtig ist, kann unter Umständen Verbrennungen, starke Verletzungen und irreversible Schädigungen der Augen und Ohren davontragen, die das ganze restliche Leben beeinträchtigen können“, warnt Dr. Heiko Will, Erster Direktor des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGuS).

Aus diesem Grund unterliegen der Handel und der Umgang mit Feuerwerk auch dem Sprengstoffgesetz und den dazugehörigen Verordnungen. Per Verordnung ist auch der Verkauf von Silvester-Feuerwerk vor dem Jahreswechsel geregelt, da dies nur an bestimmten Tagen vor Neujahr ohne eine Ausnahmegenehmigung möglich ist. In diesem Jahr können die üblichen Silvesterknaller und Raketen vom 28. bis zum 31. Dezember erworben werden. Das Abbrennen dieses Feuerwerks der Kategorie F2 ist allerdings nur im Verlauf der beiden Tage um den Jahreswechsel, Silvester und Neujahr, gestattet.

Fachleute des LAGuS sind seit Anfang Dezember unterwegs und überprüfen stichprobenartig überall in Mecklenburg-Vorpommern, ob die Sicherheit von Raketen und Böllern gegeben ist. In diesem Jahr wurde beispielsweise legale und somit zugelassene Pyrotechnik aus dem Verkehr gezogen, weil die Artikel nicht entsprechend der gesetzlichen Vorgaben hergestellt wurden und somit die Sicherheit nicht gewährleistet war. Dies war bei drei Artikeln der Firma Weco der Fall.

Die Prüfung dieser Artikel durch Behörden in Belgien hatte ergeben, dass von ihnen eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit ausgeht: ein deutlich erhöhter Schalldruckpegel sowie eine unmittelbare Brand- und Explosionsgefahr der Artikel in geringer Steighöhe. Deshalb wurden diese Artikel über das EU-Schnellwarnsystem gemeldet. Die Firma Weco hat dann den Rückruf dieser Artikel veranlasst, dennoch kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass einige dieser Artikel trotzdem im Handel angeboten werden. „Unsere Kolleginnen und Kollegen prüfen deshalb bei den Vor-Ort-Kontrollen auch, dass diese Artikel nicht mehr im Sortiment sind“, sagt Dr. Will.

Es wird aber vor allem geprüft, ob die Feuerwerksartikel zugelassen sind und ob die erforderliche Altersangabe und eine Gebrauchsanleitung mit Sicherheitsinformationen vorhanden sind. Fehlen diese Angaben oder sind die Produkte beschädigt, dürfen sie nicht verkauft werden.

Feuerwerkskörper bergen erhebliche Risiken, denn sie können, wie z. B. Verbundfeuerwerk, bis zu 2000 Gramm Explosivstoff enthalten. Wird so eine Batterie erst einmal gezündet, ist sie nicht mehr zu stoppen. Durch leichtsinnige oder unsachgemäße Handhabung von Pyrotechnik kann es zu Augenverletzungen, Verbrennungen und sogar zu Verstümmelungen kommen. Deshalb ist der Umgang mit Silvesterböllern und Raketen, also Feuerwerk der Kategorie F2, für Personen unter 18 Jahren verboten. Feuerwerkskörper der Kategorie F1, darunter fallen z. B. Knallerbsen, Tischfeuerwerk und Wunderkerzen, können das gesamte Jahr über von Personen ab einem Alter von zwölf Jahren erworben und abgebrannt werden. Feuerwerkskategorie und Altersbeschränkung müssen auf jedem Produkt angegeben werden. Man findet diese Angaben in der Regel auf der Rückseite des Produkts. Die Kategorie, die von der Zulassungsstelle vergeben wurde, ist in der Mitte der Registriernummer vermerkt.

Neben diesen naheliegenden Gefahren durch den Sprengstoff sind auch Gehörschäden durch die hohen Schallpegel zu befürchten. Jährlich erleiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. viele Tausend Menschen in Deutschland Verletzungen des Innenohres durch explodierende Feuerwerkskörper. Die Symptome eines Knall- oder Explosionstraumas können Ohrenschmerzen, Schwindel und eine gedämpfte Geräuschwahrnehmung oder Tinnitus, also ein dauerhaftes Ohrengeräusch, sein. Diese Beeinträchtigungen klingen zwar meistens wieder ab, in vielen Fälle bleibt das Gehör jedoch lebenslang geschädigt.

Das Tückische an den Explosionsgeräuschen sind die kurzen Einwirkzeiten von etwa 25 Millisekunden. Bei einer so kurzen Expositionsdauer ist die Lautstärkeempfindung stark eingeschränkt, weshalb man das Geräusch nicht als so belastend wahrnimmt. Ihre gefährliche Wirkung verlieren die Geräusche jedoch nicht. Ab einzelnen Schalldruckpegeln von etwa 130 Dezibel (dB) kann es auch bei kurzzeitiger Einwirkung schon zu Gehörschädigungen kommen. Dieser Wert wird in direkter Nähe zur Explosion vieler Feuerwerkskörper überschritten. Die Entfernung zum Explosionsort ist hierfür entscheidend. Unterhalb von zwei bis drei Metern Abstand steigt die Gefahr für das Gehör schnell an.

Feuerwerkskörper der Kategorie F2 dürfen nur im Freien abgebrannt werden. Der vorgesehene Sicherheitsabstand für Böller aus dieser Kategorie beträgt acht Meter. Hält man diesen ein, ist durch die behördliche Prüfung sichergestellt, dass der Schallpegel nicht über 120 dB liegt. Aber auch bereits bei diesem Schalldruckpegel kommt es zu vorübergehenden Vertäubungen. Diese sind in der Regel ungefährlich, wenn den Ohren anschließend ausreichend Zeit in Ruhe zur Verfügung steht, damit sie sich erholen können. Für die Ohren kann es aber auch hierbei gefährlich werden, wenn mehrere solcher Schallereignisse einander folgen, ohne dass die Erholungszeit gegeben ist.

Wer sich schützen will, sollte in der Silvesternacht einen Gehörschutz tragen und auf ausreichend Sicherheitsabstand zu Feuerwerkskörpern achten. Dabei sollte auch auf andere Menschen geachtet werden, da viele der in Krankenhäusern zu Neujahr behandelten Verletzten durch nicht selbst gezündete Feuerwerkskörper geschädigt werden. Starker Alkoholkonsum oder andere Rauschmittel vermindern das Risikoempfinden und die Fähigkeit, vorausschauend zu handeln. Die Gefahr für sich selbst und andere erhöht sich entsprechend.

Wer nach dem Böllern Tinnitus oder Ohrenschmerzen verspürt oder noch am nächsten Tag ein gedämpftes Hörempfinden wahrnimmt, sollte möglichst schnell einen Facharzt aufsuchen. Am Neujahrstag ist es in jedem Fall ratsam, dem Gehör eine Erholungspause zu gönnen.

Zudem gelangen durch das Abbrennen der Feuerwerkskörper giftige Stoffe in die Luft, die Atembeschwerden und Asthmaanfälle auslösen können. Darum sollte man sich nie direkten in eine Rauchwolke stellen. „Achten Sie am Silvesterabend vor allem auf Kinder. Sie sollten aus sicherer Entfernung dem Feuerwerk zusehen“, empfiehlt Dr. Heiko Will.

Besondere Vorsicht ist bei illegal eingeführten Knallkörpern z. B. aus Osteuropa geboten. Deren Explosionskraft liegt deutlich über derjenigen von in Deutschland erhältlichen Knallkörpern. Das Abbrennen illegal eingeführter oder selbst hergestellter Feuerwerkskörper ist zum einen extrem gefährlich und zum anderen verboten und wird als Straftat geahndet. Eine Straftat ist es auch, pyrotechnische Gegenstände zu öffnen oder zu verändern. Außerdem ist das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen allgemein verboten.

Zu guter Letzt: Das LAGuS ist die Behörde, der gewerbliche Feuerwerke in MV anzuzeigen sind, beispielsweise die großen Pyro-Shows zum Jahreswechsel an den Seebrücken der Urlaubsorte oder die „Pyro Games“ in Rostock. 2019 wurden dem LAGuS mehr als 500 solcher Feuerwerke angezeigt.